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Welches Verhältnis haben die Chinesen zum Tod?

Dieses Thema im Forum "Leben in China, chinesische Kultur" wurde erstellt von Walter, 9 Juni 2012.

  1. Walter

    Walter Administrator Mitarbeiter

    In diesem Zeitungsartikel
    http://derstandard.at/1338558947403...sche-Bestatter-Von-der-Gesellschaft-geaechtet

    wird behauptet, dass für die Chinesen der Tod ein Tabuthema ist, dass Bestattern Unglück anhaftet und sogar vermieden wird, die Zahl Vier auszusprechen da sie ähnlich klingt wie das Wort "Tod".

    Auch bei uns ist der Tod ja ein eher unangenehmes Thema - aber ist es in China wirklich so viel ärger wie es der Artikel suggeriert?
     
  2. Lifthrasir

    Lifthrasir Member

    Hallo Walter,

    Bisher habe ich noch nicht so viel vom Tod mitbekommen. Die Zahl 4 klingt ausgesprochen ähnlich wie "Tod", das stimmt und aus dem Grund ist die Zahl 4 eine Unglückszahl. Manche Hotels haben keinen 4. Stock, sondern 3 - 3a - 5 oder fangen gar erst im 5. Stock an, weil die unteren Geschosse Geschäftsräume und/oder Maschinen und Logistik Räume beherbergen.
    Auf dem Land werden Tote ähnlich wie bei uns begraben, der Tote wird in seinem Haus zuerst aufgebart und alle Verwandten können sich verabschieden. Ich habe einer Bestattung in ländlicher Gegend in der Hunan Provinz beiwohnen können. Kurz vor dem chinesischen Frühlingsfest dieses Jahres ist ein Großvater meiner Partnerin verstorben.

    Die Trauernden tragen weiße Kleidung, oder Gewänder oder zumindest weiße Bänder oder Schleier. Der Großvater wurde im Sarg von mehreren sich abwechselnden Trägern vom Haus bis zum Bestattungsort getragen. Die Verwandten gingen Rückwärts gehend vor dem Sarg her um so dem Verstorbenen ihre Ehrfurcht zu zeigen. Auf dem Sarg war ein Hahn festgebunden. Hinter dem Sarg ging der Rest der Trauergemeinde, eine Kapelle und eine Gruppe, die einen Drachentanz mit einer langen Drachenfigur an Stöcken vollführten. Die Chinesen bezeichnen sich selbst als Kinder des Drachen und der Drache soll die Seele des Toten auf ihrem Weg ins Jenseits beschützen. Während des Weges wurden immer wieder Chinaböller angezündet um alles Böse auf dem Weg zu vertreiben. Nachdem am Grab einige Reden gehalten wurden und der Sarg der Erde übergeben wurde, löste sich der Trauerzug auf.

    Am 4.April jedes Jahres wird den Toten gedacht. Dazu begibt sich die Familie zur Grabstätte und verbrennt symbolisch Häuser, Autos und Geld auf Papier gedruckt, damit der Reichtum den Verstorbenen erreicht.
    Üblich ist es auch einen Ahnenaltar im Haus zu pflegen. Einem kleinen offenen Schrank gleich, werden Räucherstäbchen und Lichter in Form von Kerzen oder kleinen Lampen aufgestellt und eine Schale mit frischen Obst steht ebenfalls stets in dem Tabernakel. Teilweise zieren auch Bilder der Verstorbenen der Familie den Ahnenschrein, der wenn möglich im Süden postiert wird.
    An Stellen, an denen Menschen bei Unfällen sterben, sehe ich öfters, wahrscheinlich zum Jahrestag des Unglücks, Verwandte, die den Toten dort gedenken indem sie Räucherstäbchen entzünden und Obst an den Stellen nieder legen.

    Ob Bestattern nachgesagt wird, das ihnen Unglück anhaftet kann ich nicht bestätigen oder dementieren, aber ich werde mich umhören und dann später wahrscheinlich mehr dazu schreiben können.
     
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